Bloggen nach Plan: der Redaktionsplan

Es ist Mittwoch Abend, kurz nach neun. Du hast dir vorgenommen, jeden Donnerstag einen „epischen!“, „großartigen!“, „gut recherchierten!“ Blog-Artikel zu veröffentlichen.

Im Moment hast du dafür: eine eigentlich ganz gute Idee, eine halb-knackige Überschrift, drei Stichworte zum ersten Absatz. Und noch etwa eine halbe Stunde, bis du völlig übermüdet von deinem Stühlchen kippst.

Hiiiilfe!

Ja, hurra, da ist sie wieder: die Artikel-Panik.

Das nervraubende Gefühl, nicht mal genug Disziplin aufzubringen, um diesen popeligen kleinen Blog am Laufen zu halten. Der Verdacht, dass alles, was in deinem Business eigentlich Spaß machen und kreativ und verknüpfend sein könnte, dass all das immer nachts um neun passieren muss.

Wo man doch als normal arbeitender Mensch doch eigentlich schon längst in die Badewanne gehört oder auf das Sofa mit einem Weinchen.

Aus eigener (schmerzlicher) Erfahrung kann und muss ich sagen: das Einzige, was da hilft, ist ein Plan. Denn Pläne sind genau dafür da, um solche mittwoch-abendlichen Stauungen zu vermeiden. Und, so unangenehm streng und einkästelnd sie sich auch anfühlen können – das können sie.

Wichtig ist, hier wie bei allen Plänen:

Dein Blog-Schreib-Plan muss einfach sein. Gut schreiben ist kompliziert genug.

Und: dein Redaktionsplan muss zu dir passen, denn sonst nutzt du ihn nicht.

Wie du einen solchen passenden und einfachen Blog-Plan erstellst, zeige ich dir hier in zwei Schritten:

1. Schritt – Fokussiere deine Themen

Das war für mich der entscheidende Schritt. Erst als ich wusste, worüber ich wirklich schreiben will, konnte ich überhaupt darüber nachdenken, mir irgendeinen Rhythmus oder eine Regelmäßigkeit beim Bloggen vorzunehmen.

Falls du es auch noch nicht 100%-ig weißt, hier ein paar Fragen, um deinen Selektions-Prozess in Gang zu setzen:

  • Zu welchen Themen und Fragen recherchierst du am meisten?
  • Worüber könntest du drei Stunden am Stück aus dem Stegreif sprechen?
  • Zu welchen Themen bitten dich Menschen am meisten um Rat?
  • Welche ganz konkreten Fragen stellen sie dir dabei?
  • Was hast du in deiner bisherigen Berufserfahrung gelernt?
  • Was hast du dir in den letzten Jahren selber beigebracht?
  • In welchen Themen hast du dich aus- und fortbilden lassen?
  • In welchen Hobbies und Freizeitaktivitäten bist du besonders gut?
  • Welche Unterhaltungen findest du am Spannendsten?
  • Welche Blogs und Zeitschriften liest du selber gerne? Was für Themen werden darin behandelt?
  • Welche Blogs und Zeitschriften liest dein Wunschkunde gerne? Was für Themen werden darin behandelt?

Wenn du deine Themen festgeklopft hast, dann entscheide dich für einen Workflow.

2. Schritt – Bau deinen Workflow

Dich für einen Workflow zu entscheiden, bedeutet nicht, dich für den allerletzten und finalen Arbeitsablauf zu entscheiden, den du jemals wieder verwenden wirst. Du kannst das alles anpassen, du kannst alles ändern.

Aber es lohnt sich so sehr, einmal für sich zu überlegen:

  • In welchem Format schreibe ich sinnvollerweise meine Artikel?
  • Was für Elemente benötige ich immer zusätzlich zum Text für meine Artikel? (Bilder, Zahlen, Grafiken, Zitate …)
  • Kann ich mir den Umgang mit diesen Elementen vereinfachen? (z.B. eine große Menge an Hintergrundbildern auf einmal raussuchen, laufend Zitate sammeln und notieren …)
  • An welcher Stelle hakt es regelmäßig, wenn ich einen Artikel schreibe, formatiere oder veröffentliche? Wie kann ich mir das vereinfachen?
  • Was kann ich tun, um mir selber den Brainstorming-Prozess zu vereinfachen?
  • Wie kann ich mir den Schreib-Prozess vereinfachen?

Zwei Elemente, die sich oft als hilfreich erweisen bei einem solchen Blog-Workflow, sind:

  1. eine Sammelstelle für deine Inhalte und
  2. eine Art von Kalender, in dem du deine kommenden Artikel vorausplanst.

Schauen wir uns die beiden genauer an:

Sammeln & parat halten

Eine Sammelstelle für deine Inhalte ist aus mehreren Gründen wertvoll:

Du behältst den Überblick – Du siehst genau, welche deiner Unterthemen du öfter behandelst und zu welchen du vielleicht noch ein bisschen mehr schreiben könntest.

Du verlierst keine Ideen – Hier kannst du auch grobe Fetzen, inspirierende Zitate oder halbgare Impulse zu einem Thema hineinpacken und sammeln, die dir ansonsten eventuell verloren gegangen wären. Und die aber oft den entscheidenden Schubs geben, um aus einem lala-Thema einen richtig guten Artikel zu machen.

Du fängst nie bei null an – Wenn du eine solche Sammelstelle hast, dann musst du nie mit einem ganz weißen Blatt Papier anfangen, sondern hast immer schon einen Krümel Text drauf.

Das Prinzip ist denkbar einfach: Jedes Mal, wenn du eine neue Idee hast, packst du sie in diese Sammelstelle.

Falls du verschiedene Unterthemen definiert hast, zu denen du regelmäßig schreiben möchtest, macht es Sinn, diese Themen auch in deiner Sammelstelle abzubilden und deine neuen Ideen immer gleich entsprechend einzusortieren.

In diese Sammelstelle können und sollten auch alle Fragen hin, die du von deinen Kunden oft gestellt bekommst, per Mail oder im Gespräch.

Wie du diese Sammelstelle umsetzt, hängt von deinen Präferenzen ab: du könntest zum Beispiel ein Notebook in Evernote anlegen, ein „echtes“ Notebook aus Papier verwenden, eine Google Doc Tabelle, eine Notiz in deinem Telefon oder in Trello … Wichtig ist, dass du alle Ideen an einer Stelle hast – sonst gibt das in Nullkommanix wieder ein feines Durcheinander.

Planen & einplanen

Das zweite wichtige Workflow-Element ist ein Kalender, in dem du in regelmäßigen Abständen vorausplanst, wann du welche Artikel veröffentlichen möchtest.

Wenn du es dir angewöhnst, diese geplanten Artikel genau so ernst zu nehmen wie „echte” Termine, kannst du dir damit eine Menge Nerven sparen. Das bedeutet aber natürlich auch, dass du realistisch einschätzen lernst, wie viel Zeit du wirklich für einen Blog-Artikel benötigst.

(Das ist zum Beispiel immer noch der größte Schwachpunkt in meiner eigenen Planung – ein guter Artikel ist bei mir mindestens eine halbe Tagesaufgabe. Was ja in Ordnung wäre, würde ich mir nicht immer an dem dafür eingeplanten Tag noch haufenweie weitere Aufgaben aufhalsen …)

Zur Planung selber brauchst du nichts weiteres als ein bisschen Zeit und Ruhe, zum Beispiel am Ende vom Monat.

Dann setzt du dich hin, gehst deine sonstigen anstehenden Aufgaben und Termine für den kommenden Monat durch, und deine Sammelstelle mit den Artikel-Ideen. Und dann planst du einzelne Artikel für einen bestimmten Tag ein – und sinnvollerweise (lern aus meinen Fehlern!) blockst du dir gleich noch am Tag davor ausreichend Zeit für die Erstellung deines Artikels.

Ein Plan hilft dir, strategisch zu bloggen

Ein netter Nebeneffekt von einem solchen Plan ist, dass du dadurch strategischer mit deinem Blog arbeiten kannst:

Planst du den „Launch“ eines neuen Produkts im nächsten Monat, oder eine Rabatt-Aktion für ein vorhandenes Produkt? Dann kannst du deine Blog-Artikel in den Wochen davor so planen, dass für dieses Produkt relevante Themen öfter darin auftauchen, und du somit eine gewisse Spannung aufbauen kannst.

Möchtest du ein bestimmtes Thema in deiner Branche „besetzen“, weil du dich langfristig dafür als Expertin positionieren möchtest? Dann planst du rechtzeitig die dafür passenden Posts in deinem Blog-Kalender ein.

Tipps

Ein Schreibtag

Zum Ausprobieren: vielleicht hilft es dir, einen gesamten Tag in der Woche oder im Monat nur dem Schreiben zu widmen? Das wäre dann ein Tag, den du nicht mit E-Mails und Anrufen beginnst, sondern in Ruhe und Stille mit nur einem kleinen blinkenden Cursor vor dir.

Ich mache solche Schreibtage zur Zeit übrigens gerne in der Bibliothek – in der ich noch nie nach einem Internet-Zugang gefragt habe. Sprich, ich sitze in einer stillen Umgebung neben lauter anderen Lesenden und Schreibenden, und ich habe nichts anderes zu tun – und kann auch nichts anderes tun –, als meine Artikel fertig zu schreiben.

Tageszeiten und Wochentage beachten

Falls du schon eine Weile bloggst, kannst du vielleicht aus deinen Statistiken Hinweise darauf ziehen, an welchen Tagen deine Artikel besonders gut ankommen – nutze die!

Probier verschiedene Formate aus

Auch wenn deine Themen und Subthemen gleich bleiben (und gleich bleiben sollten – damit man dich weiterhin für genau diese Themen kennt!), kannst du mit den Formaten deiner Artikel gut experimentieren.

Du kannst Listen, Tutorials, Erzählungen, Linksammlungen, Infografiken, reine Bildposts, Zitate, Buchreviews etc. ausprobieren – sammel am besten auch dafür Ideen in deiner Sammelstelle!

Jetzt zu dir

Wie fühlt sich das für dich an? Bloggst du gerne nach Plan oder wäre dir lieber, das würde alles frei Schnauze funktionieren?

Kannst du dir vorstellen, in 2016 mit einem Blog-Kalender zu arbeiten?

geschrieben von: Ricarda Kiel

Ricarda Kiel

Ricarda hilft Selbständigen, gute Websites auf die Welt zu bringen und die selber mit mutigen und klaren Texten zu füllen. Sie ist sehr für Unabhängigkeit, und schreibt alle zwei Wochen ermutigende Briefe.

3 Comments

  1. Super Tipps! Einige habe ich auch schon selber ausprobiert, besonders hilft es mir immer einen Kalender zumachen, um einfach eine bessere Übersicht zu behalten. Danke für den tollen Post!

  2. […] Dem Redaktionsplan fallen noch weitere Aufgaben zu. Wenn du dich an ihn gewöhnt und ihn akzeptiert hast, dann wirst du ihm folgen. Er ist nicht nur deine bloggerische Richtschnur, er hält dich auch zum Arbeiten an. Du siehst selbst sofort, wo noch Lücken gähnen und du aktiv werden musst. Das verschafft dir Sicherheit. Du wirst nicht von plötzlicher Leere im Blog überrascht oder von Newslettern, die rasch noch geschrieben werden wollen, wenn man nur wüsste worüber … Die Bloggerin Ricarda Kiel nennt es Artikel-Panik. […]

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *